Jim Thompson House: 6 Soi Kasemsan 2, Rama 1 Road, Bangkok

Jim Thompson House

Die Leidenschaft für den thailändischen Lebensstil, für die Geschichte und Kultur des siamesischen Volkes ging bei Jim Thompson, dem Seidenkönig von Siam und Gründer der bis heute erfolgreichen „Thai Silk Company“ so weit, dass er sich auf einem im Zentrum Bangkoks – an einem der unzähligen „Klongs“, den Kanälen der Stadt, gelegenen Grundstück – ein Refugium errichtete, das bis heute zu einer der schönsten „Oasen“ Bangkoks zählt.
In unterschiedlichen Teilen Thailands entdeckte er traditionelle, um die 200 Jahre alte Teakholzhäuser – einige sogar in der alten Hauptstadt Ayutthaya -, kaufte sie und ließ sie auf sein Areal in Bangkok translozieren. 1959 wurde das Ensemble aus sechs Thai-Häusern inmitten eines tropischen, dschungelartigen Landschaftsgartens vervollständigt und Jim Thompson zog unter Berücksichtigung aller traditionellen Zeremonien an einem Tag, den Astrologen als günstig vorhergesagt hatten, in sein neues Heim, das nach und nach zu weiterem Ruhm seines Eigentümers beitrug. Schon zu dieser Zeit, als Bangkok wuchs und wuchs, war dieser Ort ein zauberhafter Kontrast zum umgebenden Großstadtchaos.


Berühmt war das Haus Anfang der 60er Jahre nicht nur für seine umfassende Antiquitätensammlung – Bilder, Stiche, Möbel aus unterschiedlichsten Epochen Siams, kostbarste Keramikobjekte – seien sie für die Gartendekoration in Form von Wasserbehältnissen, oder feinste Teeservice, Skulpturen…bis heute stellt diese Sammlung einen wichtigen Fundus für Kunsthistoriker dar.
Auch und besonders war das „Haus am Klong“, das Gäste, die in der Regel mit dem Boot anreisten, durch ein verwunschenes Gartentor direkt vom Kanal aus erreichten, als das wichtigste gesellschaftliche Zentrum der Stadt bekannt, in dem der perfekte Gastgeber Jim Thompson hochkarätige Gäste bei fast täglich stattfindenden Abendessen oder legendären Partys verwöhnte.


Seit Thompson im Jahr 1967 verschwand,, hat sich das Anwesen kaum verändert: es steht mittlerweile im Eigentum der James H.W. Thompson Foundation, die Jim Thompsons Erbe verwaltet und darauf achtet, sein Andenken in jeder Beziehung hochzuhalten. So fühlt man sich im gemütlichen, koloniales Flair verströmenden Café-Restaurant am Koi-Teich inmitten des üppigen Dschungelgartens ebenso in eine fremde Welt versetzt wie in den ehemaligen Wohnräumen des Erbauers selbst, in denen der Esstisch stets gedeckt ist, als würde man bereits als dessen Ehrengast zum Dinner erwartet werden.

The William Warren Library

Um Handwerksforschung zu betreiben, ist dies also der ideale Ort in Bangkok: in einer grünen Oase der Stille, umgeben von den schönsten und buntesten Seidenstoffen, gibt es die Möglichkeit, im Bookshop des Hauses oder in der angrenzenden William Warren Library in guter Literatur, die zu allen möglichen Handwerksthemen fundiert zusammengetragen wurde, zu schmökern.
Ich konnte mich dort stunden-, tagelang vergraben und mich in die spannende Handwerkswelt Südost-Asiens, ihre Geschichte, ihre nationale und internationale Bedeutung einlesen, und war erstaunt, über wieviele Jahrhunderte europäisches und asiatisches Handwerk bereits in engem Austausch stehen und sich gegenseitig beeinflusst haben. Hier gibt es noch einiges in der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Themas zu tun.

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Immer wieder stieß ich auf die schillernde Figur Jim Thompsons und diejenige eines seiner Freunde, des Amerikaners William Warren, nach dem die Forschungsstätte benannt ist: dieser hatte Jim Thompson noch in jungen Jahren kennengelernt und die wohl bekanntesten Bücher über die Persönlichkeit und das mysteriöse Verschwinden seines Freundes veröffentlicht. Warren lehrte an der Chulalongkorn University in Bangkok Landschaftgestaltung und publizierte neben den Jim Thompson-Werken auch mehr als fünfzig Bücher über Thailand im allgemeinen, seine Geschichte, seine Architektur, seine Gärten und sein Handwerk.
Eine der Aufgaben unserer nächsten Thailand-Expedition wird es sein, mit William Warren, der nun als alter Mann in Bangkok lebt, ein persönliches Interview zu führen, um durch ihn noch intensiver ins Thailand der Mitte des vorigen Jahrhunderts einzutauchen – in eine Zeit, in der thailändische Seide durch das Engagement eines einzigen Mannes zu Weltruhm gelangte. Eines Mannes, über den William Warren folgendens schreibt:

„In the twenty years before his ill-fated holiday in Malaysia, he had accomplished more than most men in a full life. He had built a major industry in a remote and little known country whose language he could not speak; he had become an authority on an art that, previously, he scarcely knew existed and had assembled a collection that attracted scholars from all over the world; he had built a home that was a work of art in itself and one of the landmarks of Bangkok; and, in the process of doing all this, he had become a sort of landmark himself, a personality so widely known in his adopted homeland that a letter addressed simply ‚Jim Thompson, Bangkok‘ found its way to him in a city of three and a half million people.“

http://www.jimthompsonhouse.com/