Die Entstehung handgewebter Seidenträume: heute wie damals

von der Raupe zum Kokon

Thailändische Seide

Ziel aller Bestrebungen der offiziellen Seiden-Institutionen in Thailand ist es, nicht nur die traditionellen Techniken zu bewahren, sondern insbesondere die Seidenraupenzüchter dazu zu bringen, die endemischen Seidenspinner-Rassen verstärkt auf den Markt zu bringen. Diese Rasse ist – im Gegensatz hochgezüchteten Hybridrassen oder in der Regel aus China importierten Sorten – widerstandsfähig und stark, gut angepasst für die Zucht im tropischen Klima und kann das ganze Jahr über gezüchtet werden. So macht sie die Bauern unabhängig vom Import.
Alle Schritte der Seidenproduktion wären damit unabhängig von Importen und von Anfang bis zum Ende in heimischer Hand:

Seidenraupenzucht

Kleine Bauern vor allen Dingen im Norden und Nordosten Thailands züchten Seidenraupen in ihren Maulbeerbaumhainen im Nebenerwerb (meist neben dem Reisanbau). Die Raupen des Maulbeerspinners fressen sich durch Maulbeerbaumblätter, bis sie sich verpuppen und um sich aus den paarigen Drüsen unter den Mundwerkzeugen einen Seidenfaden spinnen. Das Fibroin, der eigentliche Faden, besteht aus einer hornartigen, eiweißhaltigen Substanz, die vom klebrigen Sericin umgeben ist.
Die endemischen, thailändischen Raupen produzieren im Gegensatz zu den chinesischen oder Hybridsorten keine weißen, sondern goldgelbe Kokons.

Seide spinnen

Um den Faden aus dem Kokon zu lösen, werden die Kokons in Wasser gekocht. Die Puppen sterben, es löst sich das Sericin und die feinen Rohseidenfäden können auf einfachstem Gerät  abgewickelt werden: Fäden mehrerer Kokons werden zu Rohseidenfäden unterschiedlicher Stärke verzwirnt. Aus einem Kokon kann ein bis zu einem Kilometer langer Seidenfaden gezogen werden, der dann zu Rohseidenknäueln aufgerollt wird.

Seide färben

Traditionell wird Seide mit natürlichen Pflanzenfarben gefärbt – sei es mit Indigo, mit Mangostanenschalen oder anderen heimischen Früchten bzw. Fasern – heutzutage kommen natürlich auch chemische Farben zum Einsatz.

Seide weben

Auf einfachsten Handwebstühlen werden die traditionell kräftig gefärbten Fäden zu leuchtendem Tuch verwebt. Die wertvollste Thai-Seide ist jene Art von Stoff, die auch Königin Sirikit trägt und um dessen Erhalt sie sich ganz besonders kümmert. Satte Farben, mutig kombiniert, die oft mit Gold- und Silberfäden durchzogen sind, werden in komplizierten Mustern zu weich fließenden Traumstoffen verwebt: diese Seidenart nennt sich Brocate Thai Silk und wird traditionell in Lamphun im Nordwesten des Landes verarbeitet.