Jim Thompson: der Seidenkönig von Bangkog

(c) Jim Thompsin Fabrics

Mitte der 40er Jahre wurde der Amerikaner Jim Thompson als Mitglied des amerikanischen OSS (Office of Strategic Services), der Vorgängerorganisation des CIA, nach Bangkok entsandt, um dort das neue OSS-Büro aufzubauen. Er verliebte sich in das Land, dessen florierende Zukunft er voraussah und verlegte daher nach Quittierung des militärischen Dienstes seinen endgültigen Lebensmittelpunkt dorthin.
Fasziniert von der einzigartigen Schönheit, den intensiven Farben, der geschmeidigen Haptik und dem schimmernden Glanz der thailändischen Seide regte sich bei ihm der Wunsch, diesen Stoff dem westlichen Markt zugänglich zu machen. So ließ er einige Laufmeter Seide nach seinen eigenen Vorstellungen anfertigen und machte sich auf den Weg nach New York, um kultivierte, anspruchsvolle, mondäne Kunden zu finden.
Thompsons einzige damalige Verbindung zur Modewelt war die Bekanntschaft zum damaligen Chefredakteur der „Vanity Fair“, Frank Crowninshield, der den entscheidenden Kontakt zur berühmten Chefredakteurin der Vogue, Edna Woolman Chase herstellte. Sie war über mehr als 30 Jahre DIE Grand Dame der Vogue und DIE Autorität der amerikanischen High Fashion. Als prompt für eine der nächsten Ausgaben der Vogue die damals unendlich populäre New Yorker Kostümdesignerin Valentina (Valentina Nicholaevna Sanina Schlee) in einem Kleid aus thailändischer Seide fotografiert wurde, war Thompson überzeugt: der Durchbruch war geschafft. Und er sollte Recht behalten.
Bereits 1948 gründete er die Thai Silk Company Limited, legte strenge Qualitätsstandards fest, führte technische Innovationen im Arbeitsprozess sowie in den Färbmethoden ein, sofern sie eine gleichbleibende Qualität, die gerade für den amerikanischen und europäischen Markt essentiell war, garantierten, und setzte Maßstäbe in seinem unternehmerischen Bemühen um Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht. Sein wichtigster Grundsatz war:
Alles, was er in Thailand auf die Beine stellte, musste der lokalen Bevölkerung selbst nutzen. In allen Bereichen seines Unternehmens setzte er Thais in Schlüsselpositionen ein und auch wirtschaftlich sollte ein Großteil des Profits den Mitarbeitern zurückgegeben werden.
Gewebt wurde nach wie vor in Heimarbeit – entweder in der dörflichen Struktur selbst, oder aber nahe Thompsons späterem Bangkoker Wohnkomplex, wo er eine Reihe muslimischer Weberfamilien ansiedelte.
Schlag auf Schlag ging es nun aufwärts mit der Erfolgsgeschichte der Thai Silk Company – das preisgekrönte Rodgers & Hammerstein-Musical „The King and I“, das 1951 am Broadway Premiere hatte und die Geschichte der Engländerin Anna Leonowens erzählt, die am Siamesischen Hof den künftigen König Chulalongkorn unterrichtet und westliche Lebensart in Thailand bekannt macht, wurde mit Thompsons Seide ebenso veredelte wie wenig später das Filmepos Ben Hur.
Auch im Interior Design, das dem Architekten Jim Thompson besonders am Herzen lag, beflügelten Kunden wie das Savoy Hotel in London, das seine Suiten mit Seide ausstattete, das Hong Kong Hilton Hotel oder selbst Windsor Castle mit der Renovierung des Canaletto Rooms in Thai Silk die Entwicklung der siamesischen Seidenproduktion.
Über den Umweg des internationalen Erfolgs verbesserte sich auch in Thailand selbst das Image heimischer Seide. Als Königin Sirikit in den frühen 60er Jahren die USA besuchte, entwarf der französische Designer Pierre Balmain für sie eine Haute Couture-Linie in Thai-Seide, die Thompson ebenso produzierte wie etliche andere, goldverwebte Brokatseidenstoffe, die nur sie exklusiv trug. Sirikit betörte damals mit ihrer Schönheit, ihrem Stil und durch gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in allen Hochglanzmagazinen ihrer Zeit die ganze Welt…und machte mit ihren herrlichen Roben aus Thai Seide diesen Stoff bekannt.
Seit damals ist die Königin die wohl wichtigste Symbolfigur für die „Königin aller Stoffe“ und setzt sich unermüdlich für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Seidenraupenzucht, die hochqualitative Verarbeitung und nationale und internationale Vermarktung der Thailändischen Seide ein. Die Gründung etlicher Institute und auch ein dem Landwirtschaftsministerium angegliedertes „The Queen Sirikit Department of Sericulture“ widmen sich diesem Thema.
Jim Thompson hatte sein Ziel erreicht – durch seinen eigenen wirtschaftlichen Erfolg gab er den Impuls für das Entstehen unzähliger weiterer Seidenmanufakturen, die rund um Bangkok und letztlich im ganzen Land aus dem Boden sprossen.
Durch sein mysteriöses, bis heute ungeklärtes, spurloses Verschwinden im Dschungel der Cameron Highlands in Malaysia im Jahr 1967 avancierte die Persönlichkeit Jim Thompsons endgültig zur Legende – und sein Unternehmen florierte und tut es bis heute. Vom internationalen Flughafen bis zum Luxus-Shoppingcenter, nirgendwo kommt man vorbei an edlen Jim Thompson Shops – und das Herz des ganzen Unternehmens ist eine Oase inmitten des smoggetränkten, lauten, wilden, verkehrserstickten, staubigen Bangkoks:
Das Jim Thompson Haus – bis heute fast unverändertes Wohnhaus des ehemals wohl bekanntesten westlichen Ausländers in Asien, dem „legendary American of Thailand“.

http://www.jimthompson.com

Titelbild http://www.jimthompsonfabrics.com/