Best of the best: Brokatseide aus Lamphun

Brokatseide weben

Sawade Kha (English version see below)

Eine Fahrt durch die unendliche Weite frischgrüner Reisfeldlandschaften, dichtbewachsene Dschungelhügel am Horizont, hie und da eine goldene Stupa oder ein paar traditionelle Stelzenhäuser mitten in der Landschaft – und plötzlich folgen wir meterhohen Tafeln mit royal-majestätischen Emblemen und ausführlichem Text in Thai, die uns den repräsentativen Weg zu einem tempelähnlich angelegten Areal in einem ausgedehnten, perfekt gepflegten Garten und mehreren funkelnagelneuen Häusern weisen, in denen das Hariphunchai Institute of Hand-Woven Fabric untergebracht ist. Dort dürfen wir der  Geschäftsführerin einige Fragen zur Entwicklung der Seidenproduktion in Nordthailand stellen.

Als wir eintreffen, gibt es nicht nur herzliche Sawade Kha-Grüße einer ganzen Mannschaft junger und älterer Damen, die alle antreten, um die Großfamilie aus Europa zu begrüßen, die auf den Spuren des thailändischen Handwerks die entferntesten Winkel des Landes bereist. Es ist auch ein schattiges Plätzchen vorbereitet, eine Kanne köstlichster Lemongrass-Tee und eine Sitzgelegenheit, die wir so in Europa als Couchtisch verwenden, der heute aber als unsere Konferenz-Sitzgelegenheit fungiert.
Khun Nichada, die mütterliche Chefin des Hauses, nimmt, wie üblich barfuß, darauf Platz und lädt uns zu einer gemütlichen Plauderstunde ein.

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Khun Nichada im Gespräch mit Nicola und Christoph Rath

Die Erhaltung kulturellen Erbes

Das Hariphunchai Institute of Hand-Woven Fabric wurde vor zehn Jahren gegründet – errichtet auf einem Grundstück, das dafür von der letzten Nachfahrin des letzten Königs von Lamphun, Chao Dararat na Lamphun, gestiftet wurde – denn es war und ist Khun Chao ein ernstes Anliegen, das Wissen über die große Tradition regionaler Stoffe an die junge Generation der Provinz Lamphun weitergegeben zu wissen.
Die Ziele dieses aus Mitteln der Provinz Lamphun geförderten Instituts sind damit klar vorgegeben

1.    Es fungiert als Informationszentrum über die Stoffe von Lamphun;

2.    Das integrierte Museum stellt antike Stoffe aus der Region und alle dazugehörigen Gegenstände aus, um die lokale Kultur zu bewahren;

3.    Es ist ein Ausbildungs- und Trainingszentrum für die Herstellung aller Arten von Textilien, die in der Provinz Lamphun typisch waren und sind;

4.    Das Institut soll nicht nur historisches KnowHow bewahren, sondern eine treibende Kraft in der Entwicklung neuer Stoffe und Designs, aber auch in der Qualitätssicherung sein;

5.    Es bietet Hilfestellung für die lokalen, bäuerlichen Textilproduzenten, neue Märkte zu erschließen, stellt also den Kontakt zwischen den Webern und den regionalen Großhändlern her;

6.    Auch als Touristenattraktion trägt das Haripunchai Institut of Hand-Woven Fabric dazu bei, eines der wichtigsten Handwerke der Region einer breiten, auch internationalen Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Diesen vielfältigen Aufgabenbereich scheint Khun Nichada mit viel Enthusiasmus, Hartnäckigkeit und einem engagierten Funkeln in den immerzu lächelnden Augen zu bewältigen.
Sie erzählt über die traurige Entwicklung der stetigen Abwanderung junger Leute in die Städte, um in Industrieunternehmen höhere Einkommen zu erzielen, das wachsende Desinteresse an den kulturellen und wirtschaftlichen Wurzeln der Region, aber auch vom Gegentrend, den sie sich zu Nutze macht: gerade durch das Interesse ausländischer Gäste, die sich immer weiter in die entfernteren Gegenden des Landes vorwagen und regionale Kostbarkeiten für sich entdecken, kehrt das Bewusstsein für dieses kulturelle Erbe langsam auch zur einheimischen Bevölkerung zurück.
So arbeiten – auch durch das Engagements des Instituts – heute noch 400 häusliche Weber in Lamphun für 20 Großhändler, die die wertvollen Stoffe vertreiben.
Hauptabsatzmarkt für die gewebten Textilien sind nach wie vor reiche Thais; der Exportmarkt ist sehr klein, soll aber in den nächsten Jahren verstärkt bearbeitet werden. Dabei soll auch die Registrierung der „Lamphun Brocate Thai Silk“ als „Geographic Indication“ helfen. Besondere, regionaltypische Produkte werden dabei in eine Liste aufgenommen, die unter der Marke „GI“ (one province one geographical indication“ für Einzigartiges „Made in Thailand“ steht.

Der süsse Mais

Eifrig schreiben wir mit und stellen Fragen über Fragen, sodass wir ganz die Zeit vergessen. Genau in jenem Augenblick, in dem sich die erste kurze Erschöpfung zeigt (kein Wunder bei über 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 90%), bringt uns eine Mitarbeiterin – auf ihrem linken Arm unseren einjährigen Sohn, in ihrer rechten Hand eine dampfende Keramikschale jonglierend – gekochte Maiskolben einer Sorte, die wir in ihrer Zartheit und Süße so noch nie probiert hatten. Ja, wir werden hier alle buchstäblich auf Händen getragen…

Gastfreundschaft im Haripunchai Institut of Hand-Woven Fabric
Gastfreundschaft im Haripunchai Institut of Hand-Woven Fabric

Eine Woche einen Meter

Es folgt ein Rundgang durch den Werkstättentrakt, in dem fünf Damen an den Holzwebstühlen sitzen und jenen Stoff fertigen, der das Aushängeschild Lamphuns ist: Lamphun Brocate Thai Silk.
Feine Seidenfäden höchster Qualität in den berauschendsten, intensiven Farben von lila über pink bis orange und blitzblau, werden gemeinsam mit Gold- und Silberdraht zu aufwändigen Mustern verwoben.
Bis zu einer Woche dauert es, einen Meter eines solchen Stoffes zu weben – dieser Meter wird dann um den stolzen Preis von 6.000 Baht (rund 200 Euro) verkauft.
Es steht in der Woche nach unserem Besuch der 60. Geburtstag der Kronprinzessin Sirindhorn an, die vom thailändischen Volk hoch verehrt wird. Da deren Lieblingsfarbe Lila ist (jedem Mitglied des thailändischen Königshauses ist eine Farbe gewidmet: König Bhumibol beispielsweise gelb, Königin Sirikit blau), sind fast ausschließlich lilafarbene Stoffe in Arbeit: das ganze Land wird sich am Ehrentag der Prinzessin in Lila hüllen.

Silk and cotton

Beim Rundgang durch das Museum dürfen wir lernen, dass das Weben von Baumwolle ebenso große Tradition in der Region hat wie jenes der Seide. Auch diese Technik wird hier bewahrt und anhand von antiken Ausstellungsstücken und Werkzeugen präsentiert. Im Zentrum stehen allerdings historische und aktuelle Seidenkreationen.
Eine Herausforderung ist es, beim abschließenden Besuch des Shops nicht schwach zu werden – benötigte man doch für die Anfertigung eines Seidenkleides im europäischen Schnitt mehrere Meter der teuersten Seide Thailands…
Als wir meinten, das Ende unseres Besuchs sei gekommen, werden wir nochmals überrascht: wir dürfen am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen, das im Hof des Instituts von flinken Händen in allerbester Qualität für das Team und eine Gruppe von Großhändlern, die gleichzeitig mit uns zu Gast waren, frisch zubereitet wird.
Daher genießen wir noch eine köstliche thailändische Nudelsuppe und zum Abschluss auch noch unser Lieblings-Nationalgericht – sticky rice with mango.

Überwältigt von so viel Gastfreundschaft gepaart mit Wissen, Professionalität und Unternehmergeist treten wir – geistig und körperlich zufrieden und gesättigt – die Rückfahrt nach Chiang Mai an.

Best of the best:
Lamphun Brocade Thai Silk

Sawade Kha

We are driving through seemingly endless green rice paddies, the hills on the horizon covered in tropical vegetation. Now and then we pass a golden stupa or traditional Thai houses built on stilts. Then suddenly large boards covered in detailed Thai writings and royal emblems lead us the way to the „Haripunchai Institute of Hand-Woven Fabric“. It looks like a temple with a big, perfectly tended garden and several brand-new buildings. The institute’s CEO is expecting us and she is going to answer our questions about Thai silk.

When we arrive we are greeted by a cheerful Sawade Kha. The complete all-female staff has shown up and wants to welcome the large family, that has come all the way from Europe to learn more about Thai crafts. A pot of delicious lemongrass tea has been prepared for us and we sit down in the shade for a leisurely chat with Khun Nichada, the motherly head of the institute. She takes off her sandals as she sits down on the bench, that reminds us Europeans of a coffee table.

Christoph und Niki Rath in Chiang Mai
Christoph und Niki Rath in Chiang Mai

Preserving the cultural heritage

The „Haripunchai Institute of Hand-Woven Fabric“ was founded 10 years ago and erected on a property donated by the last descendant of Chao Dararat na Lamphun, the last King of Lamphun. Khun Chao has always been and still is passionate about transferring the knowledge about Lamphun fabrics to the younger generation.

The institute is funded by the Lamphun province and its guidelines are the following:

1. It is a center of information about Lamphun fabrics;

2. Antique fabrics and patterns and related items are exhibited in the attached museum in order to preserve the local heritage;

3. It is a training center for the production of different typical fabrics;

4. The institute not only wants to preserve historical knowledge, it is also actively involved in the creation of new patterns and designs as well as setting quality standards;

5. It establishes the contact between weavers and wholesalers, thus helping the local textile manufacturers to find new marketing opportunities;

6. „Haripunchai Institute of Hand-Woven Fabric“ is a tourist attraction and introduces a broad, even international public to one of the most important regional crafts.

Khun Nichada, always a glint in her eyes, seems to achieve these various tasks with enthusiasm and perseverance. It saddens her that many young people move to the big cities hoping to make a living as industrial workers. Lots of people are no longer interested in the region’s cultural and economical heritage. But she also senses a countercurrent: by the bias of foreign visitors, who discover the most remote regions of the country and their treasures, the native population begins to appreciate its heritage and local traditions again.

Resulting from the institute’s engagement, among others, 400 weavers work in Lamphun in home-work for 20 wholesalers. The precious silk fabrics are sold mainly to rich Thais. The export trade is still slow, but in the coming years it should increase. Lamphun Brocade Thai Silk has been registered under the label „GI“. This label (GI: Geographic Indication – one province one geographical indication ) has been created as a tool to market unique products „Made in Thailand“.

Sweet corn

We are so busy writing and asking question after question, that we hardly notice how time flies. We are getting tired (no wonder, at 40°C and more than 90% humidity) and need a break. Just then a staff member appears. She is carrying our 1-year-old son in her left arm and juggling a steaming hot ceramic bowl in her right hand. It contains a serving of the sweetest corn we ever tasted. We are indeed being treated like royalty!

Gastfreundschaft im Haripunchai Institut of Hand-Woven Fabric
Gastfreundschaft im Haripunchai Institut of Hand-Woven Fabric

After this break we are shown the workshop. 5 ladies are working on the wooden looms creating Lamphun’s signature product: Lamphun Brocade Thai Silk. Delicate silk threads of the most perfect quality, dyed in bright colors reaching from lilac, pink and orange to a deep blue, are being interwoven with gold and silver threads to create intricate patterns. The weaving of one meter of this fabric can take up to one week. As is to be expected, this comes with a hefty price tag: 6.000 Baht (ca. 200€).

In the week that follows our visit, Crown Princess Sirindhorn, who is highly revered by the Thai people, is going to celebrate her 60th birthday. One color is dedicated to each member of the Thai Royal Family: yellow for King Bhumibol, blue for Queen Sirikit and lilac for the Crown Princess. That’s why almost every piece of silk that is worked on is lilac. On the Princess‘ great day the whole country is going to wear lilac!

Silk and cotton

While we take the tour of the museum, we learn that cotton-weaving is as much a tradition in this area as silk-weaving. This technique is being explained through antique tools and exhibits. In the shop at the end of the museum tour, you really have to be strong to withstand the temptation of buying silk. For one European style dress you would need several meters of Thailand’s most expensive silk!

Just when we think that our visit might be over, we’re in for another surprise: We are being asked to share lunch with the staff and a group of wholesalers, who had come on the same day as ourselves. So we enjoy a delicious Thai noodle soup and our favorite national dish: sticky rice with mango, cooked outside in the courtyard.

We are overwhelmed by so much hospitality, paired with knowledge, professionalism and entrepreneurship. We drive back to Chiang Mai feeling pleased and satisfied – mentally and bodily.