Andrea Sigl: „Die Einladung zur Biennale ist eine ganz besondere Auszeichnung“

Andrea Sigl mit ihren Scheibenleuchten

Von 12. August bis 4. November findet in Meißen die zweite porzellanbiennale statt. Mit der Salzburgerin Andrea Sigl wird auch einer MEISTERSTRASSE-Partnerin die Ehre zu Teil, ihre außergewöhnlichen Arbeiten in Europas Porzellan-Metropole zu präsentieren.

 

Frau Sigl, als eine von weltweit 25 Künstlerinnen und Künstlern wurden Sie eingeladen, Ihre Arbeiten im Rahmen der 2. Porzellanbiennale in Meißen zu präsentieren.
Andrea Sigl: Ja, es haben weit über 100 internationale Künstler ihre Arbeiten eingereicht. Was mich sehr freut: Die Teilnehmer wurden von einer Fachjury ausgewählt und deshalb ist das eine ganz besondere Anerkennung.

Die porzellanbiennale  findet in der Albrechtsburg statt – haben Sie diese wunderschöne gotische Burg zuvor schon einmal besucht?
Ja, natürlich. In der Albrechtsburg ist ja zu Beginn des 18. Jahrhunderts das europäische Porzellan quasi unter Laborbedingungen entstanden und es ist für mich besonders reizvoll, an diesem Ursprungs- und Geburtsort mit meinen Arbeiten präsent zu sein. Aus fachlichem Interesse heraus habe ich mir die Meißner Porzellanmanufaktur schon vor einiger Zeit angesehen. Für einen Keramiker ein Muss.

In der Einladung zu dieser Sonderausstellung steht: „Die meisten Menschen haben eine feste Vorstellung vom Wortpaar Porzellan und Meißen. Sie erinnern sich an das kostbare Geschirr in der eigenen Vitrine oder im Schrank der Großmutter. Wie groß ist das Erstaunen, wenn diese fest gefügten Bilder plötzlich konterkariert werden.“ Es geht also bei dieser Porzellanbiennale scheinbar nicht ums Porzellan in seiner klassischen Ausformung als Geschirr. Welche Arbeiten haben Sie eingereicht?
Es geht den Kuratoren darum, zu zeigen, was man mit Porzellan alles zu Wege bringen kann – abseits der traditionellen Arbeiten. Die Biennale ist Teil einer konsequenten, weltweiten Fortführung des kulturellen Prozesses einer Loslösung der Porzellanbearbeitung von einem rein handwerklich-praktischen zu einem viel breiteren Verständnis. Ich habe deshalb meine Scheibenleuchten eingereicht.

Mit wie vielen Objekten werden Sie in Meißen vertreten sein?
Es stehen fünf meiner Scheibenleuchten zur Verfügung; es liegt aber bei den Kuratoren, die Arbeiten so unterschiedlicher Künstler aus aller Welt in gelungener Weise zusammenstellen. Was ich aber weiß: Sie haben in der Albrechtsburg wirklich wunderschöne, sehr hohe Ausstellungsräume.

Sie werden bei der Eröffnung am 12. August persönlich anwesend sein. Was erhoffen Sie sich von diesem Abend?
Es wird eine ganz große Veranstaltung sein, 300 geladene Gäste werden erwartet, vom Ministerpräsidenten abwärts. Ich weiß nicht, was die Effekte eines so wichtigen Events letztendlich sein werden, aber es ist natürlich sehr förderlich, in einem Biennale-Katalog vertreten zu sein. Für meine zukünftige Zusammenarbeit mit Galerien etwa ist das eine enorme Aufwertung. Vor allem aber freue ich mich, dass ich so viele internationale Kollegen treffen und kennenlernen werde.

Ihre Scheibenleuchten sind sehr ungewöhnliche, individuelle Objekte – können Sie uns kurz die wichtigsten Arbeitsschritte erklären?
Ich modelliere Motive per Hand und erstelle dann eine meist mehrteilige Gussform aus Gips. Wenn diese getrocknet ist, schütte ich flüssige Porzellanmasse hinein. Nach einer gewissen Zeit kann ich der Form einen lederharten Rohling entnehmen. Diesen dünnwandigen Körper beschnitze und perforiere ich, danach wird er feucht gesäubert und getrocknet, ehe er in den Rohbrand kommt. Danach bekommt das Stück seinen Feinschliff. Wenn nötig, modelliere ich für den abschließenden Hochbrand eine Stützform, damit das wenige Millimeter dünne Gebilde in Form bleibt. Nach dem Hochbrand bei 1260 bis 1280 Grad Celsius wird es, falls es den Brand unbeschadet überstanden hat, wieder geschliffen. Jetzt sind die Teile durchscheinend und für die Montage fertig.

Was braucht es für die Montage?
Das ist wieder ein kreativer Prozess, der sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Die vom Tischler gefertigte runde Holzplatte wird ausgeschnitten, einige Male geschliffen und  lackiert,  sodass die Montage der Porzellanteile erfolgen kann. Zuerst montiert aber noch der Elektriker auf einer vom Schlosser genau angepassten Alu-Scheibe die Led- Beleuchtung. Es ist immer wieder ein Erlebnis besonderer Art, das fertige Objekt das erste Mal leuchten zu sehen. Manchmal dauert es Monate von der Idee zur fertigen Leuchte.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee zu dieser Art von Leuchtkörpern gekommen?
Kreative werden von allem Möglichen inspiriert. Manchmal ist es ein Thema, manchmal Motive aus der Natur und manchmal nur der Wunsch, sich auszudrücken. So wie ein Musiker sich für verschiedene Stilrichtungen entscheiden kann, bin ich ein Plastiker, der Lust daran hat, sich mit der  Zartheit und Zerbrechlichkeit  des Materials auseinanderzusetzen. Ein Steinbildhauer schlägt das Material weg , ich gebe dem Porzellan Stützen, damit es in Form bleibt. Alles hat so seine Herausforderung. Ich finde, die schönste Eigenschaft von Porzellan ist die Transluzenz. Da ist das Spiel mit Licht unumgänglich.

Die Salzburgerin Andrea Sigl „spielt gerne mit dem Licht“ und produziert unter dem Namen illumagie ganz spezielle Lampendesigns für individuelle Raumgestaltung.

www.illumagie.com
www.meisterstrasse.com/de/porzellanmanufaktur-illumagie